Entwicklung torffreier Abdeckerden für Champignon und andere Kulturpilze

Torfausstieg - Die Pilzgeschichte

Champignonproduktion in Europa

Allein in Deutschland werden jährlich etwa 85,000 Tonnen (85 kt) Champignons geerntet und verkauft, auf einem Markt der jedes Jahr um 4 bis 7% größer wird. Weltweit werden jährlich etwa 52 Mt Pilze geerntet, 40% davon sind Champignons.

Der Champignon wächst dabei in einem Substrat, welches zum überwiegenden Teil aus Kompostmaterial besteht und mit Pilzsporen geimpft wird. Aus diesem Substrat bezieht das Myzel (gleichzeitig „Wurzel“ und „Körper“ des Pilzes) Nährstoffe und Wasser. Damit der Champignon große Früchte austreibt, muss er mit einem weiteren Substrat abgedeckt werden. Diese „Abdeckerde“ ist arm an Nährstoffen und schafft dem Pilz genügend Oberflächen um das nährstoffreiche Myzel in Fruchtkörpern ausreifen zu lassen.

Pilzbetrieb Substrataufbau
2023 Betriebsversuche Abdeckerde final

Die Abdeckerde muss viele verschiedene Funktionen erfüllen (siehe Forschung), und über die Jahrhunderte wurden viele Experimente mit unterschiedlichsten Substraten durchgeführt, um diese Funktionen zu optimieren. Seit den 1950er Jahren besteht die Abdeckerde in Europäischen Pilzbetrieben fast ausschließlich aus Torf, einem Rohstoff der zwar optimale Pilzerträge erwirtschaftet, aber nicht nachhaltig hergestellt werden kann.

Opfermoor Niederdorla
Torfhäuserbewuchs Island

Torfausstieg

Torf ist ein natürlich nachwachsender Rohstoff, allerdings benötigen unsere Hoch- und Niedermoore mindestens ein halbes Jahrtausend um eine wirtschaftlich verwertbare Torfschicht aufzubauen. Das heißt, dass Torf für unsere Generation zu den fossilen Rohstoffen zählt. Weil für dessen Gewinnung Moore trockengelegt und umliegende Biotope ge- oder zerstört werden müssen, ist langfristig eine Reduzierung von Torf in unseren Substraten erstrebenswert.

Der Schweizer Bundesrat hatte bereits 2012 langfristig den kompletten Torfausstieg in Aussicht gestellt, und auch die Deutsche Bundesregierung arbeitet zunehmend an Konzepten und Anreizen, die umweltschonende Alternativen zur Torfnutzung in den Vordergrund rücken. Zudem sind Endverbraucher und Konsumenten vermehrt an einer ökologisch nachhaltigen Nahrungsmittelwirtschaft interessiert.

Torfabbau

Unter Berücksichtigung der derzeitigen Produktionsmethoden, Mischungsverhältnisse und Erträge in Europäischen Pilzbetrieben werden für die Ernte von einer Tonne Champignons etwa eine Tonne Torf eingesetzt. Das heißt, allein in Deutschland könnten durch den Einsatz torffreier Abdeckerden in der Champignonproduktion jährlich mehr als 85 kt Torf eingespart werden. Durch einen Torfverzicht in der Deutschen Pilzproduktion würden jedes Jahr mehr als ein Hektar Moor und die umliegenden Feuchtbiotope verschont bleiben.

Forschungsprojekt MykoDeck

Das Grundziel unseres Forschungsprojektes MykoDeck war es, eine Abdeckerde herzustellen, die in der kommerziellen Pilzproduktion einfach anwendbar ist, dabei aber komplett aus regionalen, nachwachsenden Rohstoffen besteht

Forschungsprojekt MykoDeck